Beim Einkauf von Custom Forged Wheels (geschmiedeten Felgen) für den deutschen Markt wird selten am Design gescheitert – meistens an Zulassung und Dokumenten. Wenn der falsche Genehmigungsweg gewählt wird, können Felgen bei der Prüfung beanstandet, Eintragungen verlangt und Projekte verzögert werden.
Unten wird eine klare Buyer-Checkliste für Importeure, Tuningbetriebe und Marken im Aftermarket in Deutschland bereitgestellt.
1) Erste Entscheidung: Welcher Genehmigungsweg wird in Deutschland genutzt?
In Deutschland werden Felgen typischerweise über einen dieser Wege vermarktet:
| Genehmigungsweg | Wofür er genutzt wird | Was vom Lieferanten verlangt werden sollte |
|---|---|---|
| UNECE / ECE R124 | Typgenehmigung für Ersatzräder (Aftermarket). | R124-Unterlagen + klare Vorgaben zur Kennzeichnung/Markierung auf der Felge. |
| KBA / ABE | Deutsche Genehmigung, häufig im Aftermarket. | ABE-Dokument + KBA-Nummer (nachvollziehbar und prüfbar). |
| Teilegutachten | Wenn keine ECE/ABE verfügbar ist; oft wird eine Abnahme/Eintragung ausgelöst. | Teilegutachten + eindeutige Auflagen zu Fahrzeugen, Reifen, Spur, Fahrwerk. |
Buyer-Regel: Ein Weg sollte früh festgelegt werden. Dann müssen Markierung, Spezifikation und Papiere vor Serienstart aufeinander abgestimmt werden.
2) Prüfungen: Welche Festigkeitstests sollten eingefordert werden?
Für Deutschland sollte nicht nur „Test bestanden“ geliefert werden, sondern ein prüfbarer Testnachweis.
Mindestens anzufordern (als Bericht vom Prüflabor):
- Biege-/Kurvenermüdung (Fatigue)
- Radial-/Rollermüdung
- Impact/Schlagtest (besonders wichtig bei Low-Profile und hoher Leistung)
Im Bericht sollten sichtbar sein:
- Felgenspezifikation (Größe, ET, Lochkreis, Traglast)
- Prüflast/Parameter, Zyklen, Ergebnis
- Prüflabor-Identität, Datum, Report-ID
Optional (zur globalen Vergleichbarkeit):
- Testabdeckung nach SAE J2530 kann zusätzlich verlangt werden, wenn internationale Kunden abstimmen müssen.
3) Markierung & Rückverfolgbarkeit: Diese Punkte sollten fix vorgeschrieben werden
Bei Reklamationen und Kontrollen wird Rückverfolgbarkeit erwartet. Sie sollte vor dem Einkauf definiert werden.
Auf-Felge-Markierung (empfohlen als Minimum):
- Felgengröße (z. B. 9.5Jx20)
- ET (Einpresstiefe)
- Max. Traglast / Load Rating
- Herstell-/Batch-ID
- Erforderliche Genehmigungsmarken (wenn ECE/ABE genutzt wird)
Rückverfolgbarkeits-Datei (pro Batch):
- Material-/Charge (Heat No.)
- Charge der Schmiederohlinge
- Wärmebehandlung (falls genutzt): Batch-Record
- CNC-Programm-Revision + Prüfplan-Version
- Endkontrollprotokoll (pro Felge oder gemäß Stichprobe)
4) Passformdaten: In Deutschland zählt nur der exakte Fit
„Fast passend“ wird im Markt schnell zu Problemen führen. Folgendes sollte schriftlich bestätigt werden:
- Lochkreis (PCD)
- Mittenloch (Center Bore) und hub-zentrische Lösung
- Schraubensitz (Kegel/Kugel/Flach) + richtige Hardware
- Bremsfreigängigkeit (Schablone/Template)
- Freigängigkeit Radhaus/Lenkeinschlag
- RDKS/TPMS-Kompatibilität (falls nötig)
- Reifenkombinationen und Auflagen (abhängig vom Genehmigungsweg)
5) Oberfläche & Korrosion: Häufige Fehlerquelle im deutschen Winter
Finish-Reklamationen entstehen oft durch fehlende Standards.
Vom Lieferanten anzufordern:
- Definition des Beschichtungssystems (z. B. Primer/Base/Clear oder Powder)
- Korrosionsnachweis (z. B. Salzsprühnebel-Test: Methode + Stunden)
- Haftungstest (z. B. Gitterschnitt) als Protokoll
- Kanten- und Sitzflächenkontrolle (Bolzenlöcher, Speichenfenster)
Verpackung (nicht verhandelbar):
- Frontschutz + Kantenschutz
- Keine Metall-zu-Metall-Berührung in Karton/Palette
6) Dokumentenpaket: Was vor dem Versand vollständig vorliegen sollte
Für Deutschland sollte ein „Shipment-ready Pack“ gefordert werden.
Kern-Dokumente (pro Auftrag):
- Handelsrechnung (vollständig, konsistent, sauber)
- Packliste (Spezifikationen je Karton/Palette)
- Ursprungsangabe (wenn gefordert)
- Genehmigungsunterlagen: ECE R124 / ABE / Teilegutachten (je nach Route)
Qualitätsdokumente (pro Batch):
- Maßbericht (Größe/ET/PCD/Center Bore)
- Rundlauf (radial + axial)
- Balance-/Unwucht-Check (wenn vereinbart)
- Sichtprüfung Oberfläche (Kratzer, Poren, Lackfehler)
Anti-Fraud-Kontrolle (stark empfohlen):
- Nummern/IDs sollten gegenprüfbar sein. Reine PDFs ohne verifizierbare Quelle sollten nicht akzeptiert werden.
7) Wareneingangsprüfung in Deutschland: 30-Minuten-Gate, das viel Geld spart
Bei Ankunft sollte schnell geprüft werden:
- Markierung gegen PO und Dokumente
- Stichprobenmessung: Center Bore, PCD, ET, Sitzform
- Rundlauf auf einfacher Vorrichtung
- Finish unter starkem Licht
- Verpackungsschäden sofort dokumentieren
8) RFQ-Checkliste zum Kopieren (Deutschland-fokussiert)
Für geschmiedete Felgen Deutschland sollte im RFQ stehen:
- Ziel-Genehmigungsweg: ECE R124 / KBA-ABE / Teilegutachten
- Fahrzeugliste + Brems-Template
- Spezifikation: Größe, ET, PCD, Center Bore, Ziel-Traglast
- Testanforderungen: Fatigue + Radial + Impact
- Markierung: Inhalte + Position
- Finishsystem + Korrosionsnachweis
- Rückverfolgbarkeit (Batch/Heat/QC Records)
- Versanddokumente inkl. Genehmigungspaket vor Versand
Praxis-Hinweis von FLEXIFORGED
Bei FLEXIFORGED werden Schmiederohlinge von spezialisierten Partnern bezogen. CNC-Bearbeitung (3/4/5-Achs) sowie Lackieren, Polieren und Bürsten werden im eigenen Werk kontrolliert. Ein buyer-ready Dokumentenpaket kann vorbereitet werden, damit deutsche Anforderungen leichter erfüllt werden.
Für ein Deutschland-Projekt sollte zuerst die Fahrzeugliste und der gewünschte Genehmigungsweg definiert werden. Danach kann eine saubere, prüffähige Spezifikation aufgebaut werden.