Ein individuelles geschmiedetes Magnesiumrad sollte wie ein technisches Bauteil spezifiziert werden, nicht wie ein reines Styling-Produkt. Am saubersten wird es gemacht, wenn die wichtigsten Fitment- und Leistungsdaten in einem Dokument zusammengefasst werden: PCD, ET, CB, Traglast, Durchmesser, Breite und Finish. So kann vom Hersteller geprüft werden, ob die Passform stimmt, das Zentrum korrekt bearbeitet werden kann, die Radposition passt und die nötige Festigkeit sowie der Korrosionsschutz richtig ausgelegt werden.
Gerade bei geschmiedeten Magnesiumrädern werden zwei Punkte oft unterschätzt: Traglast und Finish. Magnesium bringt einen klaren Gewichtsvorteil, ist aber auch korrosionsempfindlicher als Aluminium oder Stahl. Deshalb sollte die Lastanforderung klar angegeben werden, und das Finish sollte als Schutzsystem verstanden werden, nicht nur als Farbe.
Die kurze Antwort
Wenn ein Hersteller ein individuelles geschmiedetes Magnesiumrad korrekt kalkulieren und entwickeln soll, sollte die Spezifikation ungefähr so aussehen:
Radtyp: geschmiedetes Magnesiumrad, einteilig
Größe: 20×9.5
PCD: 5×112
ET: ET35
CB: 66,6 mm
Traglast: mindestens 900 kg pro Rad
Finish: PEO + Deckbeschichtung, Satin Bronze
Fahrzeug: Marke / Modell / Baujahr / Bremsanlage
Optionen: Nabendeckel, Logo, Ventil, TPMS-Kompatibilität
Dieses Format ist leicht lesbar für Vertrieb, Technik, Einkauf und Qualitätskontrolle. Gleichzeitig werden Rückfragen reduziert, was ein individuelles Radprojekt deutlich beschleunigt.
Was jede Angabe bedeutet
PCD: der Lochkreis
PCD bedeutet Pitch Circle Diameter, also Lochkreis. Angegeben wird er zum Beispiel als 5×112 oder 5×120. Die erste Zahl steht für die Anzahl der Befestigungslöcher. Die zweite Zahl steht für den Durchmesser des Kreises, auf dem diese Löcher liegen.
Diese Angabe muss exakt stimmen. Wenn der PCD falsch ist, kann das Rad in der Regel nicht korrekt montiert werden. Schon kleine Abweichungen können Vibrationen, gelockerte Befestigungsteile oder vorzeitigen Verschleiß verursachen.
Für eine Sonderanfertigung sollte der PCD immer aus bestätigten Fahrzeugdaten übernommen werden. Er sollte nicht aus Fotos geschätzt und auch nicht nur anhand der Marke vermutet werden.
ET: die Einpresstiefe
ET steht für Einpresstiefe und wird in Millimetern angegeben. Sie beschreibt den Abstand zwischen der Radmitte und der Montagefläche. Die ET bestimmt direkt, wie weit das Rad nach innen oder außen steht.
Einfach gesagt: Der PCD bestimmt, wo das Rad verschraubt wird. Die ET bestimmt, wo das Rad sitzt.
Wenn die ET zu aggressiv gewählt wird, kann es zu Kontakt mit Kotflügel, Innenradhaus oder Fahrwerk kommen. Wenn sie zu konservativ gewählt wird, sitzt das Rad zu weit innen, und Freigängigkeitsprobleme an Bremse oder Fahrwerk können entstehen.
CB: die Mittenbohrung
CB bedeutet Center Bore, also Mittenbohrung. Gemeint ist der Durchmesser der mittigen Bohrung auf der Rückseite des Rads, die über die Fahrzeugnabe geführt wird.
Dieser Punkt wird oft übersehen, weil zwei Fahrzeuge zwar denselben PCD haben können, aber unterschiedliche Nabendurchmesser. Ist die Mittenbohrung des Rads etwas größer als die Nabe, können Zentrierringe verwendet werden. Ist sie zu klein, kann das Rad nicht korrekt auf der Nabe sitzen.
Bei einem echten Custom-Rad ist es meist besser, die korrekte Mittenbohrung direkt für das Zielfahrzeug zu fertigen, statt später mit Adaptern zu arbeiten.
Traglast: die Sicherheitsvorgabe
Die Traglast ist keine grobe Schätzung. Sie sollte als Mindestwert pro Rad angegeben werden, üblicherweise in kg oder lb.
Für Einkäufer ist die praktische Regel einfach: Dem Hersteller sollte nicht nur das Fahrzeugmodell genannt werden. Auch die geplante Nutzung und die geforderte Mindesttraglast pro Rad sollten klar angegeben werden. Das gilt besonders für EVs, SUVs, Track Cars und Fahrzeuge mit höherer realer Radlast.
Am besten wird die Traglast direkt in Angebot, Zeichnung und Freigabedokument aufgeführt. So wird vermieden, dass ein Rad optisch passt, aber technisch unterdimensioniert ist.
Finish: zuerst Schutz, dann Optik
Bei einem geschmiedeten Magnesiumrad sollte das Finish als Korrosionsschutzsystem plus sichtbare Deckschicht definiert werden. Magnesium ist korrosionsempfindlich. Deshalb ist die Oberflächenbehandlung kein reines Design-Thema, sondern ein technischer Pflichtpunkt.
Ein gutes Beispiel ist PEO, also Plasma Electrolytic Oxidation. Damit wird auf der Magnesiumoberfläche eine dichte Oxidschicht erzeugt. In vielen Fällen wird darauf noch eine Pulverbeschichtung oder eine andere Deckschicht aufgebracht, damit Schutzwirkung, Haftung und Oberflächenqualität verbessert werden.
Deshalb reicht eine Angabe wie schwarz oder bronze bei Magnesium nicht aus. Besser ist eine klare Spezifikation wie:
PEO + Pulverbeschichtung, Satin Schwarz
oder
Konversionsschicht + Decklack, Matt Bronze
So kann der Hersteller sauber produzieren, und die Qualitätskontrolle kann später sauber prüfen.
Was vor der Bestellung zusätzlich geprüft werden sollte
Auch wenn in diesem Beitrag der Fokus auf PCD, ET, CB, Traglast und Finish liegt, ist eine produktionsreife Spezifikation in der Praxis meist noch nicht vollständig. In der Regel sollten auch Durchmesser, Breite, Bremsfreigängigkeit und Befestigungsdetails angegeben werden.
Durchmesser und Breite
Diese Werte müssen genannt werden, weil sie direkten Einfluss auf Reifenwahl, Fitment und Bauraum haben.
Bremsanlage
OEM-Bremse oder Big Brake Kit sollten klar benannt werden. Wenn möglich, sollten Bremszeichnungen oder Freigängigkeitsdaten mitgeschickt werden. Ein Rad kann bei gleicher Größe unterschiedlich ausgelegt sein, und die Speichenkontur entscheidet oft über die Bremsfreigängigkeit.
Sitzform und Hardware
Auch die Sitzform der Radbefestigung sollte bestätigt werden, etwa Kegelbund, Kugelbund oder andere Varianten. Falsche Hardware kann Probleme verursachen, selbst wenn PCD und CB korrekt erscheinen.
Exakte Fahrzeugdaten
Marke, Modell, Baujahr und Generation sollten exakt angegeben werden. Größe und ET allein reichen nicht aus, um eine sichere Freigabe für eine Sonderanfertigung zu erteilen.
Saubere RFQ-Vorlage
Dieses Format eignet sich gut für E-Mail, Angebot und interne Freigabe:
Projekt: individuelles geschmiedetes Magnesiumrad
Fahrzeug: Marke / Modell / Baujahr / Generation
Radtyp: geschmiedet, Magnesium, Monoblock oder Mehrteiler
Vorderachse: Durchmesser x Breite
Hinterachse: Durchmesser x Breite
PCD: 5×112 / 5×114,3 / 6×139,7
ET: ET35 vorn / ET28 hinten
CB: 66,6 mm
Traglast: mindestens 850 kg pro Rad
Finish: PEO + Pulverbeschichtung, Satin Schwarz
Bremsfreigängigkeit: OEM-Bremse oder BBK-Zeichnung beigefügt
Hardware: Sitzform, Bolzen- oder Stehbolzengröße
Optionen: Nabendeckel, Logo, Ventil, TPMS-Kompatibilität
FAQ
Reicht derselbe PCD aus, damit ein Rad passt?
Nein. Derselbe PCD bedeutet nur, dass das Rad möglicherweise an die Nabe geschraubt werden kann. Mittenbohrung, ET, Breite, Traglast, Bremsfreigängigkeit und Hardware müssen zusätzlich geprüft werden.
Kann die Mittenbohrung größer gewählt werden?
Ja, in vielen Fällen. Wenn die Mittenbohrung größer ist als die Nabe, können Zentrierringe verwendet werden. Bei einem echten Custom-Rad ist es aber meist sinnvoller, die exakte Bohrung direkt passend zum Fahrzeug zu fertigen.
Wie sollte die Traglast angegeben werden?
Am besten als Mindesttraglast pro Rad in kg oder lb. Diese Angabe sollte zur tatsächlichen Fahrzeuganwendung passen, nicht nur zur Optik oder zur ungefähren Fahrzeugklasse.
Warum ist das Finish bei Magnesium so wichtig?
Weil Magnesium stärker gegen Korrosion geschützt werden muss. Beim Magnesiumrad ist das Finish daher nicht nur Kosmetik. Es ist Teil der technischen Auslegung.
Fazit
Ein individuelles geschmiedetes Magnesiumrad sollte von Anfang an präzise spezifiziert werden. PCD muss zur Nabe passen. ET muss die richtige Radposition schaffen. CB muss das Rad sauber zentrieren. Traglast sollte als Mindestwert pro Rad klar genannt werden. Finish sollte als Schutzsystem plus optische Oberfläche definiert werden.
Danach sollten Durchmesser, Breite, Bremsfreigängigkeit und Hardware bestätigt werden, bevor die Produktion freigegeben wird. Wenn das sauber gemacht wird, wird die Angebotsphase schneller, die technische Abstimmung klarer und das Fitment-Risiko deutlich kleiner.